Mausoleum von Halikarnassos Das Mausoleum von Halikarnassos ist das einzige der Sieben Weltwunder, das auf Veranlassung einer Frau errichtet wurde. Artemisia war die Ehefrau und Schwester von Mausolos, dem Satrapen (Statthalter) von Karien, der von 377 bis 357 vor Christus herrschte. Die Liebe zu ihrem Bruder-Gemahl war so gewaltig, dass sie seine Asche mit Wasser mischte und trank, bevor sie den Bau einer gewaltigen Grabstädte aus weißem Marmor - des Mausoleums - in Harlikarnossos (Ort im Südwesten der heutigen Türkei) in Auftrag gab. Der Name Mausoleum wird noch heute als Bezeichnung für große Grabmäler verwendet. Baumeister des Mausoleums von Halikarnassos soll Pythius von Priene gewesen sein. Es wird angenommen, dass ihm Satyrus von Paros dabei zur Hand ging. Die besondere Form des Bauwerks beruht wahrscheinlich auf dem Versuch, die baulichen Merkmale drei unterschiedlicher Kulturen (lykische, griechische und ägyptische) miteinander in Einklang zu bringen. Entstanden ist so ein dreistufiges rechteckiges Gebäude. Das Mausoleum wies an de Basis eine Breite von 38,7 Metern und eine Länge von 30,4 Metern auf. Die Höhe betrug insgesamt 42,6 Meter, was heute in etwa zehn bis dreizehn Stockwerken entspricht. Es setzte sich aus drei Hauptteilen zusammen: Basis, gestufter Podium-Sockel (18,3 Meter hoch) und in der Mitte ein Säulengang (Höhe 11,45 Meter) aus 36 ionischen Säulen. Bedeckt wurde es von einem mit 24 Stufen versehenen Pyramidendach. Diese Stufen führten zu einer Plattform (6,85 Meter über dem Säulengang) auf der ein vierspänniger Streitwagen stand, der eine Höhe von 6,1 Meter aufwies und das Grabmal vollständig überragte. Vermutlich waren auf diesem Streitwagen Statuen von Artemisia und Mausolos untergebracht. Die eigentliche Grabkammer mit weißem Alabaster-Sarkophag, der mit Gold verziert war, soll sich auf dem Podium-Sockel zwischen den Säulen befunden haben. An der Außenseite war das Mausoleum von Halikarnassos mit vielen Friesen und lebens- beziehungsweise überlebensgroßen Statuen von Menschen, Pferden, Löwen und anderen Tieren dekoriert. Die Verzierungen der vier Seiten des Grabmals sollen angeblich bei jeweils anderen Bildhauern in Auftrag gegeben worden sein. Dabei soll es sich um Scopas, Bryaxis, Timotheus und Leochares gehandelt haben. Bis zum 13. Jahrhundert blieb das Mausoleum überwiegend unversehrt, dann führte ein Erdbeben zu einem teilweisen Einsturz. Die Bruchstücke, die dabei tief in die Erde gerutscht sind, sind diejenigen, die uns heute überwiegend als Überreste dieses Weltwunders geblieben sind. Im 15. Jahrhundert hatten nämlich die Johanniter die Trümmer des Mausoleums zum Bau und zur Verstärkung einer mächtigen Burg verwendet. Sie wandelten das Grabmal in einen Steinbruch um. Auch die Statuen fielen ihnen zum Opfer, da sie diese zu Kalk zermahlten. Allerdings nutzen sie auch ein Dutzend Steinplatten aus einem Fries mit der Darstellung der Amazonenschlacht in unversehrter Form und andere Plastiken (beispielsweise Löwendarstellungen) um die Burgmauern zu schmücken. Dieser Fries wurde im Jahr 1846 aus den Mauern der Burg herausgebrochen und ins Britische Museum nach London überführt, wo es eines der Highlights in der Abteilung altgriechische Plastik ist. Der britische Altertumsforscher Charles T. Newton machte im Jahr 1857 den genauen Standort des Mausoleums ausfindig und grub dort unzählige Statuen und Steinblöcke aus - u.a. auch die Statuen, die seines Erachtens nach, die Abbilder von Mausolos und Artemisia darstellten. Auch diese Objekte wurden wie der Fries ins Britische Museum gebracht. |