Die Hängenden Gärten von Babylon Der römische Historiker Quintus Curtius Rufus bezog sich in seinen Schriften, die er um die Mitte des 1. Jahrhunderts nach Christus verfasste, auf ältere Quellen und gab an, dass die Bäume in den Hängenden Gärten von Babylon etwa 3,6 Meter umfangen und 15 Meter hoch gewesen sind. Schon die Dichter Griechenlands hatten vom Wald aus turmhohen Bäumen und terrassenförmig angelegten Dachgärten berichtet. Der Geschichte Würze verleihend, wurde dabei die Liebe eines Königs zu seiner Geliebten mit den Hängenden Gärten in Verbindung gebracht. Angeblich sollen die Hängenden Gärten von Babylon das Werk des babylonischen Königs Nebukadnezar II. sein, der von 605 bis 562 vor Christus herrschte. Die gewaltige Hauptstadt seines Reiches Babylon lag am Ufer des Euphrat im heutigen Irak. Nebukadnezar II. war der König, der im Jahr 586 vor Christus Jerusalem zerstörte und die Juden in Gefangenschaft nahm. Trotzdem besaß er anscheinend eine sentimentale Ader, weil er die riesigen Gärten aus Bäumen, Sträuchern und Blumen für seine Geliebte (in einigen Quellen auch Gemahlin) Amytis anlegen ließ, die Sehnsucht nach der grünen Gebirgsregion ihrer Heimat Medien (Nordwestiran) hatte. Von Philo von Byzanz (spätes 3. Jahrhundert vor Christus) und zahlreichen weiteren Schriftstellern gibt es ausführliche Berichterstattungen über die Hängenden Gärten von Babylon. Die Gärten waren innerhalb der Mauern des Palastes angelegt auf Steinsäulen ruhend angelegt worden, was den Besuchern ermöglichtet hatte, unter dem Bauwerk zu flanieren, während die Arbeiter über ihnen die Felder pflügten und bestellten. Insgesamt waren es fünf Ziegelsteinterrassen, die sich jeweils um etwa 15 Meter überragten und mittels Treppen aus Marmor miteinander in Verbindung standen. Auch die Bewässerungsanlage muss für damalige Verhältnisse bemerkenswert gewesen sein: Fachleute gehen heute davon aus, dass eine Kolbenpumpe aus Holz, die mit einem Wasserrad betrieben wurde, das Wasser aus dem Euphrat auf circa 300 Meter hochgepumpt haben muss, wo es auf der am höchsten gelegenen Terrasse in Zisternen gespeichert wurde. Auch wenn die Berichte der Antike über die Hängenden Gärten sehr anschaulich sind, handelt es sich dabei nur um Informationen aus zweiter Hand. Es liegen keine keilschriftlichen Berichterstattungen der Babylonier vor, die die Existenz der Gärten belegen beziehungsweise auch nur im Entferntesten andeuten oder Augenzeugenbeschreibungen. Auch Herodot, der ein Jahrhundert nach der vermeintlichen Erbauung der Hängenden Gärten von Babylon lebte, lässt bei seiner Beschreibung von Babylon kein Wort über dieses Weltwunder fallen. Es ist also mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es sich beim Weltwunder der Hängenden Garten nur um eine Legende handelt, die sich über die Jahrhunderte und Jahrtausende hartnäckig gehalten hat. |